Als Christen neigen wir manchmal dazu, einseitig zu sein. In der evangelischen Tradition bereiten wir uns mehr oder weniger gerne intensiv auf Karfreitag vor. 40 Tage ohne, heißt das. Oder manchmal auch: 7 Wochen Verzicht. Selten kommen wir auf die Idee, das auch nach Ostern zu praktizieren. Die Freude an der Auferstehung Jesu dürfte uns mindestens so „elektrisieren“ wie sein Leiden und Sterben. 7 Wochen Feiern. Dann wären wir noch mittendrin in der Osterfreude. Jesus lebt! Christus ist auferstanden.

Wenn das stimmt, dann können wir es nicht am Ostermontag oder spätestens nach den Osterferien abhaken! Das wäre armselig, im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn Ostern eine Realität in unser Leben gebracht hat, von der die Auferstehungskapitel in den vier Evangelien erzählen, dann wären wir noch mittendrin in der Osterfreude.

 

Willst Du Dich im Glauben auf diese faszinierende Realität von Ostern einlassen – und damit auf die unsichtbare Gegenwart des auferstandenen Jesus? Dann lass die Gedanken von Tom Wright auf Dich wirken, zu finden in seinem lesenswerten Buch „Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt“ (erschienen im neukirchener-aussaat-Verlag; 2. Aufl. 20216; Seite 284 + 286):

Wie können wir nun lernen, als hellwache Menschen zu leben, als Ostermenschen? … Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass viele Kirchen Jahr für Jahr Ostern einfach stiefmütterlich behandeln; und ich möchte dafür plädieren, dass wir neu durchdenken wie wir Ostern feiern, um uns gegenseitig zu helfen, das zu leben, was wir bekennen – als Kirche und als Einzelpersonen… Wenn die Passionszeit eine Zeit ist, um auf Dinge zu verzichten, dann sollte Ostern eine Zeit sein, um Dinge in Anspruch zu nehmen. Champagner zum Frühstück – natürlich! Christliche Heiligkeit war nie nur negativ gedacht. Natürlich muss man ab und an im Garten Unkraut jäten; manchmal muss man tief graben, um gewisse Unkräuter zu entwurzeln. Das ist der Sinn der Passionszeit. Aber man will den Garten ja nicht einfach wieder in ein schönes Beet verwandeln, das allerdings nur Erde aufweist.                                             

Ostern ist die Zeit, um neuen Samen auszusäen und ein paar Ableger zu pflanzen. Wenn Golgatha bedeutet, einigen Dingen in deinem Leben den Todesstoß zu versetzen, die den Todesstoß verdienen, dann sollte Ostern bedeuten, die Dinge in deinem (persönlichen und gemeinschaftlichen) Leben zu pflanzen, zu bewässern und heranzuzüchten, die aufblühen sollen, die den Garten mit Farben und Düften erfüllen und zu gegebener Zeit Frucht bringen sollen. Die vierzig Tage der Osterzeit bis Himmelfahrt sollten eine Zeit sein, die ein Gegengewicht zur Passsionszeit bildet, indem man etwas in Angriff nimmt, eine neue Aufgabe oder Unternehmung, etwas Heilsames, Fruchtbares, aus sich selbst heraus Gehendes und sich selbst Hingebendes.“

Soweit Tom Wright. Mir gefallen diese Gedanken sehr. Reizen dazu an, in die Tat umgesetzt zu werden. Da ich mit diesem Jesus lebe, der gestorben und auferstanden ist, will ich mir das sagen lassen: Warum nicht etwas in Angriff nehmen – noch sind wir mitten in der Osterzeit. Meiner Frau eine besondere Freude machen, meine Mitarbeiter in der Gemeinde überraschen! Generell in Begegnungen kreativ werden: Osterfreude verbreiten. Wenn ich diese im Herzen trage, sollte es doch ein Leichtes sein als „Ostermensch zu leben“! Ich will das lernen.